Mrz 26

Die Teilnehmer des Podiums: Thomas Knüwer, Dirk Ippen, Wolfgang Stöckel, Horst Röper, Björn Sievers, Martin Gebrande

Ein Expertenpodium diskutierte am 18. März 2013 über die provokante These von der “neuen Machtkonstellation der Medienhäuser” in Deutschland. Vertreter von Aufsichtsgremien und Verlagen, aber auch Journalisten und Unternehmensberater zeichneten ein Bild der neuen Balance zwischen Journalismus und Betriebswirtschaft in Medienhäusern. Einigkeit bestand auf dem Podium dahin gehend, dass Wettbewerbsdruck, sukzessives Wegbrechen des Anzeigenmarkts und Konkurrenz des Internets zu einem Konzentrations- und Fusionsschub vor allem auf dem Tageszeitungsmarkt führen mussten, um die wirtschaftliche Existenz der Verlage zu sichern. Uneinig war man sich darüber, ob die Monopolisierung, also die Konzentration auf wenige Medienhäuser, mit geringerer Diversifizierung und größeren Einschränkungen der Meinungsvielfalt erkauft wird. “Es wird die Frage zu stellen sein, welcher Grad an Monopolisierung und Diversifizierung für die Demokratie noch akzeptabel sei”, erklärte Horst Röper, Geschäftsführer des FORMATT-Institutes in Dortmund.

Auf dem Zeitungsmarkt sind derzeit kaum Neuerungen möglich, weil der Marktzugang durch die großen Medienhäuser erschwert wird. Besonders sichtbar wird dies an der zunehmenden Ausdünnung lokaler Präsenz. Aus Rentabilitätsgründen wird am journalistischen Personal gespart. Die Anzahl der Zeitungsredakteure sank um rund 15% in den letzten Jahren. Die Leistungsfähigkeit von lokalen Zeitungsredaktionen, sofern sie noch existieren, sinkt. Lokaljournalismus verkümmert zum Terminjournalismus, Mantelredaktionen übernehmen die politische Berichterstattung für immer größere Regionen, die regionale Diversifikation der politischen Berichterstattung geht mehr und mehr verloren und damit die politische Meinungsvielfalt. Das größte, sich weiter verschärfende Problem stellt somit der Schwund an Lokaljournalismus dar. Internetangebote können zumindest in naher Zukunft die wegbrechenden, lokalen Ressourcen nicht kompensieren. Diese Aussage war auf dem Expertenpodium nicht unbestritten. Der Einbezug von Bürgern für die lokale Berichterstattung könnte verbessert werden, entsprechende Modelle, wie sie beispielsweise in den USA existieren, müssten in Deutschland nur mutig ausprobiert werden, meinte Thomas Knüwer, Blogger und Unternehmensberater, und sprach sich für mehr Kreativität bei der Entwicklung von Internetgeschäftsmodellen aus.

Dass regelmäßige Blogs engagierter Bürger kritischen, investigativen Journalismus ersetzen könnten, wird allerdings nicht ernsthaft als Ausweg in Erwägung gezogen. Professioneller Journalismus kann nicht durch Laien-Engagement im digitalen Netz wettgemacht werden, so sieht mancher auf dem Expertenpodium bereits den professionellen Journalismus in Gefahr. Journalistische Tätigkeit im Internet ist bislang finanziell kaum tragfähig. Die wirtschaftliche Basis des Online-Journalismus ist schwach. Meist findet man Ein-Mann-Redaktionen mit der ungesunden Tendenz zur Selbstausbeutung vor. Ein breiter, professioneller Lokaljournalismus im Netz ist in absehbarer Zeit nicht erkennbar. Aber auch hier scheint es alternative Modelle aus den USA zu geben, die in Deutschland noch nicht zur Kenntnis genommen wurden.

Einig ist sich das Podium hinsichtlich der notwendigen Stärkung des lokalen Journalismus sowie der Aufwertung des journalistischen Berufsstands allgemein – auch in finanzieller Hinsicht, sowohl im Printmedien – als auch im digitalen Bereich. “Die Medienhäuser werden versuchen müssen, in der Welt des Internets stärker Fuß zu fassen, dürfen jedoch den klassischen Print-Bereich nicht vernachlässigen. Das Ende der Zeitung wird nicht kommen, was sein kann, ist, dass die Tageszeitung nicht mehr jeden Tag erscheinen wird”, beschreibt Dr. Dirk Ippen, Verleger des Münchner Zeitungs-Verlages (Münchner Merkur) ein mögliches Zukunftsszenario. Medien sind dienende Kräfte, unverzichtbar für den demokratischen Prozess einer freien Gesellschaft.

Diskutieren Sie mit:

Was muss sich ändern, damit investigativer Journalismus für Verleger wirtschaftlich interessant bleibt?

Gefährden Blogs und sogenannte “Bürger-Reporter” den professionellen Journalismus?

Stellen elektronische Bürgerzeitungen eine journalistische und wirtschaftliche Bedrohung für etablierte Medienhäuser dar?

 

Apr 12

Bernd Lenze, Leiter des medienpolitischen Arbeitskreise der Hanns-Seidel-Stiftung, begrüßt die Teilnehmer und führt in die Thematik Anonymität des Netzes: Chance für Extremisten ein. Der Arbeitskreis tagte am 26. März 2012.

Jan 28

Die Arbeit des medienpolitischen Arbeitskreises der Hanns-Seidel-Stiftung steht im Mittelpunkt des Interviews von Matthias J. Lange von redaktion42 mit Bernd Lenze. Lenze, im Hauptberuf Vorsitzender des Rundfunkrates des Bayerischen Rundfunks (BR), erklärt die Aufgaben und Ziele des Think Tanks und wirbt um die Teilnahme.

 

 

 

 

Sep 19

Der Vorsitzende des Rundfunkrates des Bayerischen Rundfunks, Bernd Lenze, erklärt die Aufgabe des Medienpolitischen Arbeitskreises der Hanns-Seidel-Stiftung: „Wir wollen den Dialog Medien und Politik fördern.“ Zentrales Thema der Veranstaltung im Oktober 2010 war Bloggen und Blogger in der Gesellschaft.

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