Feb 28

Wann ist eigentlich der beste Tag, um eine App zu veröffentlichen? Diese Frage ging der Software-Hersteller Quark nach und für mich ist das Ergebnis überraschend: Der Sonntag. Man könnte denken, der Sonntag sei ein eher ruhiger Tag und nicht gerade der Tag der großen Umsätze. Eine jüngst durchgeführte Untersuchung des Android Market und Apple App Store beweist jedoch das Gegenteil:

Der beste Tag, um eine neue App in einem App Store zu starten, ist der Sonntag, so lautet das Ergebnis der Analyse, die der Suchdienst Mobilewalla kürzlich in seinem Developer-Forum veröffentlicht hat. In der Studie wurden 17 Wochen lang die Veröffentlichungen im Apple App Store und im Android Market untersucht. 91.754 iOS Apps und 122.220 Android Apps wurden innerhalb des Untersuchungszeitraumes neu in die App Stores aufgenommen.

Die Analyse zeigte, dass die meisten Entwickler den Mittwoch als Launch-Termin für ihre Apps bevorzugen oder diesen Wochentag durch den Freigabe-Prozess zugewiesen bekommen. Am Sonntag ist jedoch die Chance, eine App unter den Top 240 zu platzieren, am größten. Die Top 240 sind in der Untersuchung von Mobilewalla diejenigen Apps mit dem höchsten Ranking des jeweiligen App Stores. Von den am Sonntag veröffentlichten iOS Apps schaffen es 42 Prozent in diese Gruppe. Bei Android sind es laut Studie elf Prozent.

Der Freitag ist statistisch gesehen der ungünstigste Tag für den App-Launch im Apple App Store. Am Freitag erreichen nur zehn Prozent der iOS Apps einen Platz unter den Top 240. Android Apps haben es am Donnerstag am schwersten. Im Android Market schaffen es donnerstags nur sieben Prozent der Neustarts in die Top 240.

Ähnliches kann Thomas Eisenbarth von der deutschen Android-Plattform SmartAppFinder berichten. „Scheinbar ist der User bereit am Sonntag sich mit seinem Smartphone zu beschäftigen und neues Futter auf sein Gerät zu laden.”

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Feb 27

Stefan Plöchinger, Chefredakteur von sueddeutsche.de, war Anfang Februar Gast beim Medienpolitischen Arbeitskreis zum Thema Piraten. Wesentlicher Bestandteil der intensiven Debatte war dabei die Frage, inwieweit es das Internet selbst sei, das erst den Aufschwung der Piraten-Partei ermögliche und entscheidend präge.

Grund genug, in diesem Zusammenhang Stefan Plöchinger in einem persönlichen Interview nicht nur um eine Analyse dieser Fragestellung zu bitten, sondern auch zu erfragen, wie sich sueddeutsche.de selbst auf die Herausforderungen des Medien- und Mediennutzungswandels einstellt. Bzw. umgestellt hat, denn Stefan Plöchinger verantwortete den umfassenden Relaunch des Onlinemediums im Januar 2012. Das Interview sehen Sie hier:

Plöchinger hat frühzeitig erkannt, welche Bedeutung neben qualitativ hochwertigem Journalismus auch Themen wie Funktionalität der Website, Design und Social Media für ein erfolgreiches Onlinemedium haben.

Zu diesem Themenkomplex gibt es weiterführende Informationen bspw. bei den Netzpiloten, bei dem Journalisten Christian Jakubetz auf YOUdaz.de oder im persönlichen Blog von Stefan Plöchinger.

Im Bereich Social Media geht Plöchinger spannende Wege. Denn er spricht als Chefredakteur nicht nur konzeptionell über Social Media, sondern ist auf allen wichtigen Plattformen selbst präsent. Mehr noch: Er verlängert eigene Stücke sowohl in die Social Media Profile von sueddeutsche.de, als auch in die persönlichen Accounts bei Facebook, Twitter & Co – und führt dort die Debatte mit seinen Lesern weiter, wie bspw. hier auf seinem persönlichen Profil bei Google Plus. Plöchinger sei dort “halb privat”, wie zu lesen ist – die Grenze zwischen Beruf und Privat verschwimmt immer mehr.

Was denken Sie?

Welche Website der politischen Parteien schneidet in der Online-Aufbereitung besonders gut ab und kann durch Funktionalität und Design die Inhalte gut bei der Zielgruppe verankern? Und welche Politiker sind im Bereich Bürgerkommunikation über soziale Medien in Ihren Augen vorbildlich?

Feb 16

Das World Press Photo steht fest. Es kommt von Samuel Aranda aus Spanien. Das Siegerfoto von Samuel Aranda zeigt eine verschleierte Muslimin, die im Inneren einer Moschee, die während der Zusammenstöße in Sanaa, Jemen, am 15. Oktober 2011 gegen die Herrschaft von Präsident Ali Abdullah Saleh als Lazarett von Demonstranten diente, einen verwundeten Angehörigen in den Armen hält. Samuel Aranda arbeitete im Jemen im Auftrag der New York Times. Er wird von Corbis Images vertreten.

Der von der internationalen Organisation World Press Photo veranstaltete Wettbewerb, bei dem Canon als Sponsor auftritt, gilt weltweit als bedeutendster Wettbewerb für Fotojournalisten. Im 55. Jahr seiner Austragung wurden 101.254 Bilder von 5.247 Profifotografen aus 124 Ländern eingereicht.

Kieran Magee, Professional Imaging Marketing Director bei Canon Europe, äußerte sich dazu: „ Wir gratulieren Samuel Aranda und allen Gewinnern in den einzelnen Kategorien des World Press Photo Wettbewerbs. Die Aussagekraft des Siegerfotos basiert auf der in dieser komplizierten Situation so bewegenden menschlichen Geschichte, die sich in einem einzigen Moment manifestiert.

Herausragende Bilder sind ein zunehmend wichtiger Teil des Journalismus. Bilder können heute mit einer immer größeren Geschwindigkeit mit der ganzen Welt geteilt werden. Sie sorgen dafür, dass Geschichten in einer ausdrucksstarken und emotional berührenden Art lebendig werden. Die seit 20 Jahren bestehende Kooperation von Canon mit World Press Photo ist ein großes Privileg und eine Ehre für uns, sie unterstreicht das Engagement von Canon im Bereich der Fotografie.“

Auch zwei Canon Botschafter wurden von der Jury des Wettbewerbs ausgezeichnet. Brent Stirton, Getty Images, gewann zwei Preise mit Bildern in den Kategorien „Natur“ und „Aktuelle Themen“, Paolo Pellegrin, Magnum, einen zweiten Preis im Bereich „Allgemeine Nachrichten“.

Für sein Siegerfoto erhält Samuel Aranda ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro, sowie ein Canon DSLR Kit bestehend aus einer digitalen EOS Spiegelreflexkamera und einem Objektiv. Die Sieger in den einzelnen Kategorien erhalten ein Preisgeld von 1.500 Euro. Die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten aller Kategorien bekommen ein Jahrbuch mit einer auf einem Canon Large Format Printer gedruckten individuellen Titelseite.

Feb 14
Der globale mobile Datenverkehr wächst von 2011 bis 2016 um das Achtzehnfache. Dann werden jeden Monat fast 10,8 Exabyte übertragen. Ein Exabyte ist eine Trillion Byte, eine Eins mit 18 Nullen. Die jährliche mobile Datenübertragung von 130 Exabyte entspricht dem Fassungsvermögen von 33 Milliarden DVDs oder 813 Trillionen SMS. Alleine in Deutschland beträgt der mobile Datenverkehr dann 4,7 Exabyte (EB), im Vergleich zu 0,22 EB im vergangenen Jahr. Dies hat der neue Cisco Visual Networking Index (VNI) Global Mobile Data Traffic Forecast festgestellt. Das Wachstum liegt vorwiegend an der Zunahme internetfähiger Mobilgeräte. Im Jahr 2016 übersteigt deren Anzahl mit mehr als 10 Milliarden die der dann auf der Erde lebenden 7,3 Milliarden Menschen. In Deutschland werden in vier Jahren voraussichtlich 177 statt aktuell 116 Milliarden mobile Geräte im Einsatz sein.

Der mobile Datenverkehr steigt in Deutschland von 2011 bis 2016 um das 21-Fache, von monatlich 18,4 auf 393 Petabyte (PB). Damit wächst er dreimal so schnell wie das Transfervolumen über feste Leitungen. Der Anteil der mobilen Übertragung am Gesamtvolumen erhöht sich von 1 auf 7 Prozent, der Anteil der Video-Übertragungen am mobilen Datenvolumen von 53 auf 75 Prozent. In diesem Zeitraum wird in Deutschland die Anzahl der Smartphones von 26 auf 59 Millionen, der Tablet-PCs von 1,9 auf 10,2 Millionen und der Laptops von 4,7 auf 6,9 Millionen steigen. Pro mobiler Verbindung werden dann durchschnittlich 3197 statt 167 Megabyte übertragen. Cloud-Anwendungen nehmen 2016 einen Anteil von 72 Prozent am mobilen Datenverkehr ein, im Vergleich zu 43 Prozent Ende 2011. Damit wird die Mobile Cloud in Deutschland mit einer jährlichen Wachstumsrate von 104 Prozent um das 35-Fache steigen.

“Immer mehr Menschen weltweit und in Deutschland nutzen das Internet über mobile Geräte, dabei nimmt vor allem das Abrufen von Cloud-Diensten und Videos zu”, sagt Carlo Wolf, Vice President und Geschäftsführer von Cisco Deutschland. “Da Netzwerke die Basis für sämtliche Anwendungen sind, müssen alle Beteiligten, insbesondere die Service-Provider, für eine stabile und sichere Infrastruktur sorgen, die sich schnell skalieren lässt.”

Steiler Anstieg
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des weltweiten mobilen Datenverkehrs von 2011 bis 2016 beträgt 78 Prozent. Alleine der Zuwachs von 2015 auf 2016 wird etwa das Dreifache des gesamten geschätzten mobilen Internetverkehrs im Jahr 2012 betragen. Im Zeitraum 2011 bis 2016 wird der mobile Traffic dreimal schneller wachsen als der Datentransfer über feste Leitungen. Dieses Wachstum wird durch folgende Faktoren angetrieben:

  • Der mobile Cloud-Verkehr steigt um das 28-Fache mit einer jährlichen Wachstumsrate von 95 Prozent, sein Anteil am gesamten mobilen Daten-Traffic erhöht sich von 45 auf 71 Prozent
  • In vier Jahren gibt es mehr als 10 Milliarden internetfähige Mobilgeräte, inklusive Maschinenkommunikation (M2M)
  • Leistungsfähigere Mobilgeräte, insbesondere Tablet-PCs, können immer mehr Daten übertragen
  • Die Geschwindigkeit mobiler Netze wird um das Neunfache steigen und entsprechend höhere Transferraten erlauben
  • Der Anteil von Videos am mobilen Datenverkehr erhöht sich bis 2016 auf mehr als 70 Prozent
Weitere Ergebnisse
In vier Jahren werden 71 Prozent aller Smartphones und Tablet-PCs die Internetprotokoll-Version 6 (IPv6) nutzen können, insgesamt werden es 39 Prozent aller mobilen Geräte sein. Das höchste Wachstum im mobilen Datenverkehr wird die Region Nahost und Afrika mit einer Steigerung um das 36-Fache aufweisen, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum sowie Mittel- und Osteuropa (jeweils 21-fach), Lateinamerika (18-fach), Nordamerika (17-fach) und Westeuropa (14-fach).

Über die Studie
Der Cisco VNI Global Mobile Data Traffic Forecast basiert auf unabhängigen Vorhersagen von Analysten sowie Messwerten zur mobilen Datenübertragung. Darauf aufbauend hat Cisco eigene Schätzungen für die Akzeptanz von mobilen Anwendungen sowie der Nutzungs- und Datenübertragungsraten  getroffen. Darin eingeflossen sind Zahlen für die mobile Breitbandgeschwindigkeit und Geräteleistungen.

Die vollständige Studie gibt es unter: http://www.cisco.com/go/vni

Feb 09

Am 06. Februar 2012 fand die vierte Präsensitzung des Medienpolitischen Arbeitskreises statt. Das Thema “Piraten – kurzfristiger Hype oder neue langfristige politische Bewegung?” sorgte für intensive Diskussionen, war doch neben renommierten Vertretern des Journalismus (Stefan Plöchinger, Chefredakteur sueddeutsche.de), Wissenschaft (Prof. Dr. C. Neuberger, LMU München), Politik/ CSU (MDL Markus Blume) und Internet-Avantgarde (Markus Beckedahl, Gründer u.a. von netzpolitik.org) auch der politische Geschäftsführer des Bayerischen Landesverbandes der Piratenpartei, Aleks Lessmann, der Einladung des Organisationsteams des Medienpolitischen Arbeitskreises rund um den Rundfunkratsvorsitzenden Bern Lenze gefolgt.

Stefan Plöchinger, Aleks Lessmann, Markus Beckedahl

Von links nach rechts: Stefan Plöchinger, Süddeutsche.de; Aleks Lessmann, Piraten-Partei Bayern; Markus Beckedahl, Gründer u.a. Netzpolitik.org

Doch nicht nur das somit stark besetzte Podium war es, das die Diskussionen prägte – auch die Teilnehmer des Medienpolitischen Arbeitskreises brachten die Themen voran. Unter den Teilnehmern waren bspw.:

- Prof. Andreas Bönte, BR
- Thomas Hinrichs, Chefredakteur Tagesschau/ ARD aktuell
- Prof. Wolf-Dieter Ring, Bayr. Landeszentrale für neue Medien
- Ludwig Reicherstorfer, Landesgeschäftsführer CSUnet
- Prof. Forster, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Mittelfranken
- Matthias M. Lange, Redaktion 42
- Björn Sievers, Edelman
- Jan Manz, wbpr

Der nachfolgende, kurze Rückblick stammt von Prof. Dr. Siegfried Höfling, der auch Moderator des Abends war. In den nächsten Tagen werden wir zahlreiche Bilder und Videos der Veranstaltung veröffentlichen – und freuen uns über Nachfragen, Meinungen und Anregungen in den Kommentaren.

——

Die Diskussion der Veranstaltung fokussierte auf 3 Ebenen:
1.    Differenzprofile zwischen traditionellen Parteien und der jungen Piratenpartei.
2.    Die Netzpolitik in Deutschland
3.    Gesellschaftliche Änderungen und Wandel der Öffentlichkeit, bzw. die Rolle der klassischen Medien im Verhältnis zum Internet und seinen speziellen Instrumenten (besonders den „Social Media“).

Zu 3.
Insgesamt ist eine Beschleunigung des wirtschaftlichen, politischen und privaten Lebens zu verzeichnen, das durch die Allverfügbarkeit von Informationen und Daten, sowie der permanenten Kommunikationsmöglichkeiten (24 Stunden online im Netz oder per Funk) noch verschärft oder sogar mit verursacht wurde. Ein Konzept, wie Parteien darauf reagieren sollen, gibt es nicht, da sie selbst zu den Getriebenen gehören. Ihre Aufgabe ist es jedoch, nach Möglichkeit Komplexität zu reduzieren, gesellschaftliche Vorgänge durchschau- und verstehbar zu machen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Die zentrale Frage lautet bei Prof. Neuberger, wie ändert sich die politische Öffentlichkeit durch das Netz? Die Öffentlichkeit ist heute fragmentiert, man hat es mit Teilgesellschaften zu tun. Für den Meinungsaustausch im Internet braucht man seiner Meinung nach große Kommunikationskompetenz. Letztlich findet im Netz eine Diskussion der Elite statt (ca. 15% der jungen Bürger). Eine dauerhafte Mobilisierung des politischen Interesses durch das Internet sieht er nicht. Allerdings stellt der Versuch der Piratenpartei, Meinungsbildungsprozesse im Internet anzustoßen, ein  großartiges Experiment dar, dessen Ergebnis noch nicht absehbar ist. Bürger, aber auch hier nur die politisch interessierte Elite, möchten wirksam sein, nicht hilflos, daher reagieren diese auf basisdemokratische Angebote der Piraten. Vor allem in jungen Jahren möchten Bürger sich noch wirksam einbringen und mit gestalten. Wie die Öffentlichkeit in 10 Jahren funktionieren wird, ist nicht vorher zu sagen. Die Massenmedien stehen ebenfalls in einem zeitlichen offenen Veränderungsprozess. Auch sie stehen vor der Frage, wie sie eine Zusammenhalt gebende Orientierung in der Gesellschaft erreichen wollen. Derzeit herrscht das Prinzip der thematischen Offenheit vor. Die Aufmerksamkeitskonzentration richtet sich auf ein Thema mit einer kurzen Halbwertzeit (Tsunami, Wulff etc.), zusammenhaltfördernde Prozesse sind nicht ausmachbar.
Zu 2.
Wer macht in Deutschland Internetpolitik? Sie wird anscheinend den großen Medien- und Technologiefirmen überlassen. Die Politik setzt keine stabilen Rahmenbedingungen für die Neuen Medien. Insgesamt wird die Debatte über die Neuen Medien angstgeleitet und nicht potentialgeleitet geführt. Generell gibt die Politik einer qualifizierten Bürgerbeteiligung im Netz den Vorzug vor einer vollkommen offenen Beteiligung, wie es das Konzept der „Liquid Democracy“ der Piratenpartei vorsieht. Allerdings gibt es noch kaum Projekte, sieht man von dem, von Merkel angestoßenen „Bürgerdialog über Deutschland.de“ ab.

Zu 1.
Die Piratenpartei sieht sich nicht als Partei der digitalen Revolution, sondern als eine Partei der Bürgerrechte. Das Internet ist das Instrument, um Partizipation und Transparenz zu ermöglichen. Sie sieht sich auch als eine pragmatisch operierende Sammelbewegung an. Alternativer Politstil, Freiheitsthemen, Antikommerzialität des Internets, Partizipation sind ihre Markenkennzeichen. Allerdings spricht die Partei vorwiegend junge, netzaffine Bürger an, sicher auch Wut- und Protestbürger und Bürger, denen es um ihre Partikularinteressen, wie Urheberrechts-Freiheit etc. geht. Christoph Lauer (Berliner Piratenabgeordneter): „Wir machen keine Politik für das Internet, sondern eine durch das Internet veränderte Gesellschaft.“ Martin Delius (Berliner Piratenabgeordneter): „Es ist ein Befreiungsschlag einer Generation, für die das Internet einen Lebensraum darstellt.“
Markus Blume warnt davor, das Internet zu überhöhen. Traditionelle Parteien haben sich jahrelang zu wenig um das politische Potential des Internets gekümmert. Dieser Strukturfehler in der Medienpolitik der Parteien ist aber mittlerweile behoben. Das Internet ist heute selbstverständliches Medium der Politik geworden. Dies wird man bei den kommenden Wahlen sehen. Allerdings wird offensichtlich, dass sich durch die Neuen Medien das Verhältnis zwischen Bürger und Staat ändern wird. Im bestehenden System der repräsentativen Demokratie wird es die Piratenpartei schwer haben, ein verlässlicher Partner für Lösungsansätze zu werden. Spätestens wenn Funktionsträger (Fraktionsvorsitz, Kabinettsitz) bestimmt werden müssen, repräsentieren sie ihre Partei. Bei Koalisationsverhandlungen muss der Koalisationspartner sich auf die Nachhaltigkeit einer Aussage oder Zielrichtung verlassen können, statt sich mit einem neuen „Liquid Democracy Prozess“ einlassen zu müssen. Ähnliche Entwicklungen waren vor 20 Jahren bei den Grünen zu beobachten. Einstweilen sollte man die Piratenpartei nicht unterschätzen. Wenn sie in die Länderparlamente und ins Bundesparlament einziehen sollten, erschweren sie die Bildung von regierungsbildenden Mehrheiten. Dies kann auch ein Vorteil sein. Zumindest werden alte Strukturen aufgebrochen, flexiblere Politik, die sich stärker den Bedürfnissen einer sich zunehmend fragmentierten und beschleunigten Gesellschaftsentwicklung widmet, wird möglich. Die jungen Politiker traditioneller Parteien haben dies bereits verstanden.

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